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What a mess.

Schaufensterpuppen sind grausam. Sie sind so unfassbar dünn und gleichzeitig wohlgeformt, dass es schon abartig ist. Ich fahre mit der Straßenbahn durch die Innenstadt und aus jedem Schaufenster lachen sie mir hämisch zu und das, obwohl keine von ihnen noch ein Gesicht hat. Sie sehen alle gleich aus. Keine Unterschiede. Dünne Beine, flacher Bauch, zarte Arme - verpackt in modischen Stoffen. Manchmal stehe ich minutenlang davor, starre sie an. Einfach so. Die Menschen um mich denken sicher, dass ich die Klamotten begutachten, aber für mich sind sie zweitrangig. Ich sehe diese perfekten Körper und frage mich ob ich sie schön finden sollte, ob man mich damit schön finden würde. Realistisch oder nicht, vollkommen egal. Am meisten faszinieren mich diese Beine. So schmal. So, so schmal. Ich finde dünne Frauen nicht automatisch attraktiv, aber interessant. Ich beneide sie darum. Manchen sieht man an, dass sie nicht gesund sind. Genau diese finde ich besonders interessant. Sie stehen im Supermarkt vor den Regalen, nehmen Packungen heraus, studieren deren Inhalt und stellen sie wieder zurück. Immer, immer wieder. Der Einkaufswagen bleibt leer. Manchmal ein Apfel. Manchmal eine Fertigsuppe. Manchmal nur Wasser. Früher sah mein Einkauf genauso aus. Heute manchmal auch. Es kostet mich immernoch Überwindung Inhaltsangaben nicht zu lesen, einfach Nahrungsmittel in den Wagen legen. Unvorstellbar. Einkaufen ist gleichzeitig anstrengend wie begeisternd. Die Regale sind vollgestopft mit Kalorien, die ich es könnte. Aber eben nur "könnte". Ich laufe durch die Gegend. Lese Verpackungen, stelle sie zurück. Kaufe manchmal gar nichts. Manchmal kaufe ich etwas, nur um es in einer Schublade zu verstauen. Ich horte Lebensmittel, die ich gar nicht esse. Meist Süßigkeiten, Chips. Und Cola Light. Ich bin süchtig nach Cola Light. Man sagt, dass Light Produkte das Gehirn zerstören. Doch was sollen sie noch zerstören? Ich bin zerstört. Alles, was ich da gerade geschrieben habe ist so... kaputt. Einfach kaputt. Aber nicht jeder Tag ist so. Es gibt auch gute Tage. Manchmal Wochen. Zur Zeit eher nicht. Das ist okay. Ich möchte einfach gerade nicht essen. Dafür spaziere ich viel. Luft und Liebe. Und ein bisschen herbstlicher Sonnenschein. Das reicht. Zumindest bis zur Nacht, bis der Magen unbarmherzig knurrt und mich nicht schlafen lässt. Dann setzten die Gedanken ein. Die Angst. Aber nicht am Tag, nein. Es ist noch hell. Es ist noch gut.

Kommentare:

  1. Deine Worte sind so treffend und nachvollziehbar. Mir geht es oft ganz genau so. Und so traurig ich es auch finde, dass du es genauso siehst, beruhigt es mich, weil ich immer dachte, dass es einzig und allein mein verqueres Hirn wäre, dass mich so denken lässt.
    Bitte pass auf dich auf, ich bin immer für dich da.
    Gib nicht auf. <3

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    1. Vielen Dank Liebes :*
      Ich wäre gern erreichbarer für Dich, aber ich bin so selten hier.
      Tut mir leid :/

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